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Trichy, eine Stadt im indischen Tempelstaat Tamil Nadu, war ehemals eine französische Kolonie. Touristen besteigen hier gerne die 432 Stufen des Rock Fort Tempels und genießen die wundervolle Aussicht auf die Stadt und den Fluß Kaveri. Nicht weit von Trichy entfernt liegt die mächtige Tempelstadt Sri Rangam. Auf einer 27 Kilometer langen und zwei Kilometer breiten Insel zwischen zwei Flussarmen des Cauvery leben hier 70 000 Menschen, deren Bezirk dem Gott Vishnu gewidmet ist. All dies sehen die Touristen....

Was die Touristen nicht sehen wollen und vielleicht auch nicht sehen können: An den Rändern Trichys ist das indische Wirtschaftswunder bis zum heutigen Tage nicht angekommen. Hier, in erbärmlichen Holz- und Bambushütten, ohne Strom, ohne fließendes Wasser, im stinkenden Elend der Kloaken, im ätzenden Staub der ungepflasterten Wege leben all diejenigen, die kein Stück vom großen Kuchen abbekommen haben. Sei es, weil sie nie die Chance hatten, sich Bildung anzueignen, sei es, weil Alkohol oder Spielsucht die Familien zugrunde richteten, sei es, weil Aids und Malaria die Ernährer dahin rafften. Oder sei es, weil sie zur Kaste der Unberührbaren gehören. Hierher kommen die Touristen nie, hierher sollen sie auch nicht kommen – in die Slums von Trichy.

So sehen die Touristen auch niemals jene Kinder. Magere, staubige, ängstliche Kinder mit hageren Gesichtern und riesigen Augen, die schon viel zu viel Tod und Elend gesehen haben. Können sie laufen, werden sie zum Betteln geschickt oder fristen für einen Hungerlohn in kleinen Fabriken erbärmliche Frondienste, sind sie krank, lässt man sie sterben. Hunderte, Tausende dieser Kinder haben keine Eltern mehr, Hunderte, Tausende dieser Kinder haben keine Perspektive, keine Hoffnung, keine Zukunft.

Und als hätten die Krankheiten der Tropen, unzureichende medizinische Versorgung, Unterernährung, Sklavenarbeit und das für uns Europäer zuweilen furchtbar archaisch anmutende indische Kastensystem noch nicht genügend angerichtet, kam am zweiten Weihnachtsfeiertag des Jahres 2004 der Tsunami.

Die große Flut kostete auch in der Gegend von Trichy, dort an der Südspitze Indiens, wo drei Weltmeere aufeinander treffen, Hunderte das Leben. Diejenigen, die zurück blieben, verloren häufig alles, was sie hatten: Für uns mag es Pappe und Wellblech gewesen sein, Plastik und fauliges Holz – für Unzählige jedoch waren es Häuser und Hütten, erbärmliche, zusammen geflickte, windige Unterkünfte, aber immerhin ein Dach über den Köpfen für jene klammen, kalten Tage des Monsuns.

Die Touristen kommen wieder nach Trichy seit jenem unvergesslich grausamen Weihnachtstag. Sie besteigen die 432 Stufen des Rock Fort Tempels, sie bewundern die atemberaubende Aussicht auf Stadt, Fluss und Tempeldächer, sie reisen nach Sri Rangam. Und sie reisen wieder ab. Sie haben keine Zeit und keinen Blick für die Kinder an den Rändern der Stadt.

Die HANSA NIWAS Foundation sieht diese Kinder, kennt ihre Namen. Helfen Sie uns dabei, ihnen mehr als nur einen Namen zu geben – helfen Sie uns, diesen Kindern eine Zukunft zu schenken.



Spender:





Edith Mannherz

Ellen Reichl